Werkzeuge der Genesung

Meetings 

In Meetings treffen sich zwei oder mehr Ess-Süchtige und teilen miteinander ihre persönliche Erfahrung, sowie die Kraft und Hoffnung, die sie in OA gefunden haben. 

Wenn es auch viele verschiedene Arten von Meetings gibt, so basieren doch alle auf der Gemeinschaft mit anderen Ess-Süchtigen. Meetings geben uns die Gelegenheit, unser gemeinsames Problem zu erkennen, unsere gemeinsame Lösung aus den Zwölf Schritten zu festigen, und die Erfahrungen der Genesung mitzuteilen.

Zusätzlich zu den persönlichen Meetings bietet OA Telefon- und Online-Meetings an, welche auch dazu dienen, die Isolation von Mitgliedern zu verhindern, welche aufgrund von großen Entfernungen, körperlichen oder persönlichen Einschränkungen nicht in Meetings kommen können.

Anonymität 

Die Anonymität hat im Wesentlichen zwei Funktionen:

Zum einen hat sie eine wichtige Schutzfunktion. Niemand braucht zu wissen, dass wir eine Ess-Störung haben und in einem spirituellen Programm sind. Sie bedeutet auch eine Schweigepflicht, denn wer nicht im Meeting war, erfährt nicht, was wir dort gesagt haben. Auch Dinge, die wir einem einzelnen OA-Mitglied am Telefon anvertrauen, werden nicht weitererzählt. 

Die andere wichtige Funktion der Anonymität ist der Grundsatz „Prinzipien über Personen“. Er garantiert, dass in OA alle gleichwertig sind. Wir stehen auf einer Ebene, unabhängig davon, wie lange wir bei OA sind. Welche Stellung das einzelne OA-Mitglied in der Gesellschaft hat, spielt in OA keine Rolle. Durch den Grundsatz „Prinzipien über Personen“ werden wir ermutigt, den Menschen im Meeting und innerhalb der OA-Gemeinschaft wertfrei zu begegnen. 

Telefonieren / Kontakt 

Per Telefon können sich zwei OA-Mitglieder auf persönlicher Ebene austauschen. Dies hilft, die Isolation zu vermeiden, die unter uns so weit verbreitet ist. Viele OA-Mitglieder rufen ihre OA-Freundinnen und -Freunde sowie Sponsor/-innen täglich an. Das Telefonieren ist ein Werkzeug durch das wir lernen, uns anderen anzuvertrauen, sie um Hilfe zu bitten und auch unsere Hilfe anzubieten. Das Telefongespräch oder der Kontakt durch digitale Medien bietet auch ein Ventil für Höhen und Tiefen in unserem Leben, mit denen wir erfahrungsgemäß nur schwer umgehen können.

Sponsorschaft in OA 

Um behalten zu können, was uns unser Programm gibt, müssen wir es weitergeben. Durch Sponsorschaft wird die Bedeutung dieses Satzes besonders klar. Mit dem Teilen unserer Erfahrung, Kraft und Hoffnung erneuern und stärken wir unsere eigene Genesung. Wir selbst haben den größten Nutzen und die größte Freude an der Arbeit mit anderen, weil wir miteinander das tun, was wir niemals alleine tun könnten.

Sponsor/-innen sind OA-Mitglieder, welche die Botschaft der Genesung und ihr eigenes Genesungsprogramm auf einer beständigen und individuellen Basis mit einem anderen Mitglied teilen, das auch „Sponsee“ genannt wird.
Sponsor/-innen leben und arbeiten in den Zwölf Schritten und Zwölf Traditionen auf die beste ihnen mögliche Art. Für viele von uns ist es ein wichtiger Teil der Sponsorschaft, die Sponsees auf der Grundlage persönlicher Erfahrung, Kraft und Hoffnung durch die Schritte zu führen. Sponsor/-innen helfen Sponsees auf allen drei Ebenen der Genesung – körperlich, emotional und spirituell.
Es ist wichtig, sich bewusst zu werden, dass Sponsor/-innen nicht die Rollen von Therapeut/-innen, Ärzte/ Ärztinnen, oder sonstigen professionellen Helfenden einnehmen dürfen.

Literatur

Das Lesen von OA Literatur hilft uns zu verstehen, wie man in den Schritten arbeitet, die Werkzeuge der Genesung anwendet, und wie durch die Traditionen ein reibungsloses Funktionieren der Gruppen gewährleistet wird. Unsere OA-Literatur und das wichtigste Werk der Anonymen Alkoholiker (Blaues Buch – im OA-Literaturshop erhältlich) sind stets verfügbare Werkzeuge. Sie geben uns Einsichten über unser Problem des zwanghaften Essens, die Kraft damit umzugehen, und die Hoffnung, dass es für uns eine Lösung gibt.  

OA-Literatur kann entweder in Meetings erworben oder direkt im Literaturshop http://shop.overeatersanonymous.de/  bestellt werden. 

Schreiben

Schreiben ist für uns unentbehrlich, wenn wir mit der Arbeit an uns selbst beginnen. Wir verstehen unsere Handlungen, Reaktionen und Muster besser, wenn wir unsere Gedanken, Gefühle oder verwirrende Begebenheiten zu Papier bringen, als nur darüber nachzudenken oder zu reden. Wenn wir unsere Schwierigkeiten aufschreiben, fällt es uns leichter, Situationen klarer zu sehen und zu entscheiden, was zu tun ist.

Wir können durch Schreiben auch Situationen und Dynamiken erkennen, die in uns Essdruck verursachen. Dadurch können wir Probleme lösen und positive Veränderungen in unserem Leben herbeiführen.

Dienst

Die Erfahrung hat uns gelehrt, dass wir das, was wir an Genesung erreichen, nur behalten können, wenn wir es auch weitergeben. Deshalb tun wir Dienst.

Ein Dienst kann dazu beitragen, eine Person innerhalb oder außerhalb von OA zu erreichen, die noch an ihrer Ess-Störung leidet. Die Botschaft der Genesung durch die 12 Schritte von OA an Menschen mit Ess-Störungen weiterzugeben, ist die Hauptaufgabe unserer Gemeinschaft.

Dienst heißt auch, dass wir das machen, was für das Funktionieren von OA erforderlich ist. Auch Mitglieder, die erst kurze Zeit bei OA sind, können Dienst tun, indem sie zu den Meetings kommen, Stühle wegräumen, Literatur auslegen oder mit Neuen sprechen.

In OA werden wir ermutigt, durch Dienst das zu tun, was in unseren Möglichkeiten liegt.

Essplan – ein neues Essverhalten ausprobieren 

Wir sind nicht wie normal Essende. Offensichtlich ist etwas falsch an unserem momentanen Essverhalten, sonst wären wir nicht zu OA gekommen. Zwanghafte Essende unterscheiden sich von normal Essenden.

Normal Essende hören auf zu essen, wenn sie satt sind. Wir nicht.

Normal Essende verstecken keine Lebensmittel und überlegen nicht, wie sie heimlich darankommen, wenn niemand in der Nähe ist. Wir machen das.

Normal Essende benutzen das Essen nicht, um ihre Unsicherheiten und Ängste zu beschwichtigen, oder um – wenn auch nur für kurze Zeit – ihrem Ärger und ihren Sorgen zu entrinnen. Wir machen das.

Normal Essende fühlen keine Schuld und Scham wegen ihres Essens. Wir schon.

In OA entdecken wir, dass nicht Schwäche oder fehlende Willensstärke unsere Probleme sind. Wir haben eine Krankheit. Wenn das Essen vor uns steht oder uns „ruft“, können wir weder auf unsere besten Vorsätze noch auf unsere Willenskraft vertrauen, dass wir – was das Essen betrifft – gute Entscheidungen treffen. Wir haben vor uns selbst und anderen gegenüber Hunderte von Vorsätzen gefasst, jede Diät versucht, Therapien, Hypnose, Appetitzügler und sonstige Pillen ausprobiert; trotz allem konnten wir nicht aufhören, zwanghaft zu essen.

Ein Essplan kann uns bei der Genesung vom zwanghaften Essen behilflich sein.  Anstatt vor der Kühlschranktür oder im Restaurant unsere Vorsätze über Bord zu werfen, entwickeln wir im Voraus einen vernünftigen Essplan. Anfänglich verwenden viele von uns einen täglichen Essplan. Dieser beinhaltet, was wir wann essen, wo wir essen und wieviel wir essen.

Dieser tägliche Plan, der aus einem medizinischen oder persönlich entwickelten Essplan besteht, dient dazu, unser Essen von unseren Gefühlen abzutrennen, und er befreit uns von den Entscheidungen, die wir vorher über den Tag verteilt treffen mussten. Wenn wir weniger über das Essen nachdenken, bekommen wir in unseren Köpfen mehr Klarheit über den fortdauernden Konflikt zwischen unserem Willen und der Krankheit.

Aktionsplan 

Ein Aktionsplan dient dazu, Struktur und Balance in unser Leben zu bringen. Wir finden damit sowohl tägliche als auch langfristig durchzuführende Handlungen heraus, die wir umsetzen und üben können.
Er kann alltägliche Arbeiten beinhalten, wie den Haushalt führen, das Einkaufen und Zubereiten von Mahlzeiten oder auch das Planen von Terminen für unsere körperliche und seelische Gesundheit. Viele von uns brauchen den Aktionsplan, um Arbeit und Freizeit, wie zum Beispiel das Gestalten von Kontakten innerhalb der Familie und dem Freundeskreis, in Einklang zu bringen.
Weiters ist es wichtig, Zeiten für Meditation, Pausen und Zeit für uns selbst einzuplanen.
Sport und Bewegung können in den Aktionsplan einfließen. Manche brauchen ein Fitnessprogramm zur Verbesserung ihrer Kraft und Gesundheit, während andere darauf achten müssen, nicht zu viel Sport zu betreiben.
Zusammen mit der täglichen Arbeit in den Schritten kann ein Aktionsplan den Gebrauch der anderen Werkzeuge von OA beinhalten. Während wir dieses Werkzeug nutzen, stellen wir fest, dass wir ein Gefühl der Gelassenheit entwickeln und weiter emotional und spirituell wachsen, während wir immer nur für einen Tag messbare Fortschritte machen.
Wie unser Essplan kann auch dieses Werkzeug für die einzelnen Mitglieder sehr unterschiedlich aussehen und im Verlauf der Genesung angepasst werden.