Anonymität bedeutet nicht nur, innerhalb von OA unseren Familiennamen nicht zu benutzen. Es bedeutet auch, fähig zu sein, frei über Gefühle und Erfahrungen sprechen zu können, ohne Angst vor Klatsch. Dann brauchen wir unsere Gefühle auch nicht mit Nahrungsmitteln zu unterdrücken. Bei den Meetings teilen wir uns auf ganz allgemeine Weise mit; intimere Probleme werden am besten mit einem Sponsor, einer Sponsorin oder einem anderen OA-Mitglied besprochen.

Das OA-Programm ist ein Programm, bei dem es um Leben und Tod geht: Es gibt keinen Platz für Kleinlichkeiten. Wir können es uns nicht leisten, dass die Antipathie eines anderen OA-Mitgliedes uns gegenüber uns davon abhält, das 12-Schritte-Programm anzuwenden. Wir müssen danach streben, das Programm an die erste Stelle zu setzen: zuzugeben, wenn wir Unrecht haben und immer zu versuchen, friedliche Wege der Zusammenarbeit zu finden.

Weiters bedeutet Anonymität, dass jedes unserer Mitglieder einfach ist, was es ist – eine gruppenzugehörige Person. Wir stellen geistige Grundsätze über Persönlichkeiten und können unser Programm auch nicht auf irgendeiner Person aufbauen. Niemand ist sicher auf einer Säule. Wir sind Betroffene, die auf ihre Gesundheit hin zusammenarbeiten.

Wir OA’s dienen auf jede nur erdenkliche Weise der Gemeinschaft, ohne Ruhm, Prestige und Macht zu erwarten. Das erlaubt uns, den geistigen Grundsatz der Demut zu üben.

Tradition 12: Anonymität ist die geistige Grundlage aller unserer Traditionen. Sie soll uns immer daran erinnern, Prinzipien über Personen zu stellen.